Augenproblem beim Lamm

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Michel
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Augenproblem beim Lamm

Beitrag von Michel » Donnerstag 30. Dezember 2004, 22:49

Hallo zusammen

Gestern Abend haben wir beim Füttern bei einem Lamm überlaufene und zusammengeklebte Augen entdeckt. Heute hatte das Lamm die Augen bereits wieder geöffnet aber rundherum war alles wie mit Eiter verkrustet. Wir haben darauf hin mit Kamillentee Probiert die Verkrustungen zu entfernen was uns auch etwas gelang. Doch unter diesen Verkrustungen sind wie Pickel zum vorschein gekommen (evtl. "Ürseli").
Wir werden morgen kurz zum Tierarzt gehen und die Augen zeigen. Vielleicht hatte das auch schon jemand gehabt und kann mir noch Tipp`s geben.
Ich werde Euch darüber informieren was es war und wie man es behandelt wenn überhaupt nötig.

Grüessli Katja :lol:

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Michel
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Beitrag von Michel » Sonntag 2. Januar 2005, 17:19

Hallo

Wir waren ja mit dem Lamm beim Tierarzt. Er hat festgestellt das es Bindehautentzündung hat uns eine Salbe mitgegeben. Das Lamm ist auf dem Weg der Besserung.
Leider haben wir heute ein zweites Lamm mit den selben Symtomen entdeckt :( werden auch dieses gleich behandeln. Mit Kamillentee auswaschen und dan die Salbe ins Auge geben.

Bis bald
Katja

Gast

Beitrag von Gast » Montag 3. Januar 2005, 00:51

Es handelt sich um eine infektiöse Keratokonjunktivitis (Horn- und Bindehautentzündung) was in der Schweiz oder zumindest viele Kantone davon endemisch bei den Schafen zu treffen ist. Die Krankheit ist meistens selbstlimitierend und die Tiere entwickeln eine gute Immunitàt für manche Jahre. Erwachsene Tiere können asymptomatische Träger sein. Wenn eine Herde durchseucht ist erkranken meisten nur die Lämmer oder zugekaufte Tiere.

Meine Herde ist durchgeseucht und so beobachte ich das nur bei den Lämmer mit sehr wenig klinische Symptomen, ich verzichte auf eine Behandlung ausser ich sehe eine starke beeinträchtigung des Tieres. Wenn die Tiere Hornhaut entzündung zeigen mit weisslicher Färbung ist es gefährlich besonders auf der Alp wegen Absturzgefahr.

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Christian
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Gemsblindheit?

Beitrag von Christian » Montag 3. Januar 2005, 12:17

Hallo Katja

Für mich hört sich das auch an wie infektiöse Keratokonjunktivitis (auch genannt "Gemsblindheit"), v.a. wenn es ansteckend ist. Das ist wie eine Kinderkrankheit und muss durchgeseucht werden. Ältere Tiere werden befallen, wenn sie noch keine Immunabwehr entwickelt haben bzw. noch nie mit dem Erreger in Kontakt kamen. Das Durchseuchen kann 1 - 2 Monate dauern, dann ist das Gröbste überstanden. Ich würde auch nur die stark befallenen Tiere behandeln. Ich versuchte anfangs, jedes betroffene Tier mit einer Antibiotika-Salbe zu behandeln mit dem Resultat, dass das Ganze einfach verzögert wurde, nach einigen Tagen jedoch doch wieder auftrat. Die stark befallenen Tiere öffnen das Auge kaum (lichtempfindlich), haben eine grauen Schleier und sehen (vorübergehend) auch deutlich weniger. Wenn diese stark befallenen Tiere nicht behandelt werden, können dauerhafte Sehstörungen auftreten.

Von allen Behandlungstipps hat mich die Behandlung mit Puderzucker am meisten überzeugt. Sehr einfach, kostengünstig, natürlich und effizient - und schon bei vielen Schafhaltern bewährt. Dabei wird mit einer grossen Spritze (100ml) Puderzucker in die betroffenen Augen geblasen. Irgendwie gibt das dann eine osmotische Wirkung, wodurch für den Erreger ein ungünstiges, wachstumshemmendes Milieu geschaffen wird (aber so genau weiss ich den Effekt auch nicht mehr).
Lämmer können auch noch 1-2 Jahre danach Symptome entwicklen (Ansteckung durch Mütter). Eine Behandlung erachte ich jedoch dann als nicht mehr nötig, da die Entzündung nur in abgeschwächter Form auftritt. Die Ansteckung erfolgt v.a. auf der Alp, an Schauen oder mit dem Zukauf von Tieren, dessen Augen tränen oder bis vor 3 Monaten noch getränt haben. Wir haben im SEZ vor ca. 4 Jahren einmal alle Informationen zu diesem Thema gesammelt und uns bei Spezialisten informiert (Dr. Giacometti, Uni Bern). Ich kann eine Zusammenfassung dieser Erkenntnisse insbesondere zum Thema Ansteckung noch nachliefern.

Gruss Christian
Zuletzt geändert von Christian am Mittwoch 5. Januar 2005, 11:42, insgesamt 1-mal geändert.

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Beitrag von mara » Dienstag 4. Januar 2005, 19:40

hallo Michel
Ich denke auch das der Bericht vom Gast am wahrscheinlichsten ist. Bei Gemsblindheit wird das Auge nämlich milchigtrüb. Beide Krankheiten gehen aber bei ansonsten gesunden Tieren schnell ohne grosse Behandlung vorbei.
Ich rate Dir aber ab, Augen mit Tee auszuwaschen. Im Tee hat es Schwebeteilchen die die Augen zusätzlich reizen können!
Wenn Du die Augen auswaschen willst, nimm Kamillosan von der Drogerie.
Es liebs Grüessli Mara

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IKK=Gemsblindheit

Beitrag von Christian » Mittwoch 5. Januar 2005, 11:25

Um keine Verwirrung zu stiften: Es handelt sich nicht um zwei verschiedene Krankheiten. Infektiöse Keratokonjunktivitis (IKK) und Gemsblindheit sind (beim Schaf) dieselbe Krankheit. Der Begriff "Gemsblindheit" wird für Wildtiere verwendet ( - die in der Regel von Schafen auf der Alp angesteckt wurden und tatsächlich blind werden). Umgangssprachlich hat sich aber dieser Begriff auch bei Schafen eingebürgert, obwohl - zugegebenermassen - nicht ganz korrekt. Aber wer spricht schon gerne diesen Zungenbrecher (IKK) aus. Wie bereits erwähnt treten die Symptome bei Lämmern (von immunen Eltern) häufig in abgeschwächter Form auf (keine milchige Trübung).

mehr dazu:
http://www.wildvet-projects.ch/dgemsblindheit.htm
http://www.umwelt-schweiz.ch/imperia/md ... oerger.pdf
http://www.umwelt-schweiz.ch/buwal/de/f ... t/wildvet/

Gruss Christian

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Beitrag von Michel » Mittwoch 5. Januar 2005, 16:18

Hallo zusammen

Vielen Dank für all die Tipps und Beschreibungen. Die Augen beider Lämmer sind wieder in ordnung. Wir haben das Salben auf einmal reduziert und werden morgen oder so aufhören.

Bis bald Katja

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Re: Augenproblem beim Lamm

Beitrag von Patty » Donnerstag 6. März 2008, 19:37

Hallo
Bei uns hat ein Lamm die selbe Erkrankung...Weiss jemand wie genau sich diese überträgt?Oder wei man eine Übertragung verhindern kann?Bei uns ist es komisch,denn nur ein Lamm hat sie gekriegt die anderen sind bis ahnhin gesund und munter...
Liebe Grüsse Patty
Liäbs Grüässli Patt

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kschaub
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Re: Augenproblem beim Lamm

Beitrag von kschaub » Samstag 8. März 2008, 15:31

Hallo Patty

Bindehautentzündung ist leider sehr leicht übertragbar (Schmier- und Tröpfcheninfektion)... also sowohl von Tier zu Tier durch engen Kontakt wie auch über Gegenstände wie Futterraufen, Wassereimer und so weiter.

Abtrennen wäre sicherlich das beste, also die bereits betroffenen Tiere separieren und sogleich mit der Behandlung beginnen. Natürlich ist es auch hier wie bei allem, es gibt Tiere, die eine bessere Konstitution haben und weniger anfällig sind, während andere eine eher geschwächte Immunabwehr besitzen und so was schneller einfangen...

Wichtig einfach: sofort mit dem Behandeln beginnen und die restlichen Tiere gut beobachten...

Tschüss
Karin

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Re: Augenproblem beim Lamm

Beitrag von Patty » Sonntag 9. März 2008, 17:42

Hallo
Herzlichen Dank für die Antwort...Ojeh das ist dumm....
Hatte bis jetzt aber Glück keines der anderen Schafe zeig Zeichen,dass es auch erkrankt wäre und dem Kleinen geht es auch schon wieder besser :D
Liäbs Grüässli Patt

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Re: Augenproblem beim Lamm

Beitrag von kschaub » Sonntag 9. März 2008, 18:49

Hallo

... dann ist ja gut :mrgreen: . Und nun bist Du ja sensibilisiert und ausgerüstet, falls doch noch ein anderes nachzieht...

Tschüss
Karin

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