Plötzlicher Lämmertod

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Dominik
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Plötzlicher Lämmertod

Beitrag von Dominik » Dienstag 6. Februar 2007, 00:01

Wir hatten bereits zwei Lämmer, die plötzlich nach der ersten Lebenswoche begannen lahm zu gehen. Dann wurden sie immer schwächer und blieben schliesslich liegen. Natürlich bekamen sie dann zu wenig Muttermilch und starben. Ich bin mir nicht ganz sicher, würde die Symptome aber als Selenmangel deuten. Ich fand noch folgenden Beitrag bezüglich Selen:
bougle hat geschrieben:wir hatten lange Probleme mit den Lämmern, da sie einfach plötzlich schwach wurden und sehr viele dann einfach starben. Seit wir prophylaktisch Selen spritzen, ist diese Totesursache eigentlich verschwunden. Schweiz ist ja, so viel ich weiß, ein Selenmangelgebiet, und da die Elterntiere durch Heu auch nicht gerade viel Selen aufnehmen, bekommen die Jungen durch die Milch so viel wie keines mehr, da Milch sowieso schon Selenarm ist.
Was meint ihr, und was könnte man als Alternative zur Selenspritze tun?
Bougle wollte ich noch fragen, ob er die Lämmer oder die Auen behandelt und zu welchem Zeitpunkt und wie oft.
Vielen Dank für eure Antworten!

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Christian
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Selenmangel

Beitrag von Christian » Mittwoch 7. Februar 2007, 10:41

Hallo Dominik

Ich kannte dieses Problem bis jetzt noch nicht, würde aber spontan auch auf Selenmangel tippen, was bedeuten würde, dass Ihr in einem Selenmangelgebiet wohnt. Eine Alternative zur Selenspritze wäre ein Mineralstein oder Mineralsalz mit (eher hohem) Selenanteil (Bsp. Sanolan von sano-pharm > siehe Links auf SEZ-Website). Das Selen würde dann aber vom Muttertier aufgenommen und ich bin mir nicht sicher, ob es dann auch genügend auf die Embryos übertragen wird. Besser wäre wohl das von der gleichen Firma angebotene Sano-Vital 500, das man den Lämmern nach der Geburt oral eingeben kann (die Produkte sind nicht ganz billig aber sehr konzentiert (geringe Dosierung) - ich würde mich von denen mal beraten lassen).

Gruss Christian

Dominik
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Beitrag von Dominik » Mittwoch 7. Februar 2007, 20:09

Vielen Dank Christian!
Ich werde mich mit der genannten Firma in Verbindung setzen.
Einen Mineralsalzstein mit Selen haben unsere Schafe natürlich, ich muss aber mal nachschauen, wieviel Selen tatsächlich enthalten ist, um vergleichen zu können.

Reto Fivian
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Beitrag von Reto Fivian » Freitag 9. Februar 2007, 16:25

Hallo Dominik
Für die Lahmheit könnte ich mir 2 Ursachen vorstellen: Selen- und Vit E.-Mangel wie bereits vermutet wird oder eine Polyarthritis
Typisch für Selenmangel:
Lahmheit eher in der Hinterhand, vorerst bleibender Appetit. D. h. wenn Du ein erkranktes Lamm an das Euter der Mutter hälst, will und kann es noch säugen.

Typisch für Polyarthritis
Lahmheit in der Vorhand, warme und geschwollene Karpalgelenke (Vorderknie), ev. entzündeter Nabel. Die Erreger gelangen über den Nabel in den Körper.

Vorbeugung bei Selenmangel:
Grundsätzlich muss in der ganzen Schweiz mit diesem Problem gerechnet werden, deshalb sind vorbeugende Massnahmen immer zu empfehlen. Ausserdem sind die vorbeugenden Massnahmen günstig, während die möglichen Verluste schnell sehr hoch sein können.
Die Mutterschafe müssen selbstverständlich auch versorgt werden, deshalb ist es sicherlich angebracht, mind. während der Hochträchtigkeit und zu Beginn der Laktation auf eine entsprechende Mineralstoffversorgung zu achten. Eine hohe Versorgung der Muttertiere mit Selen/Vit E scheint jedoch nicht sehr effizient bezüglich Versorgung der Neugeborenen Lämmer zu sein. Ausserdem ist es schnell kostspielig. Die Forschungsanstalt ALP hatte vor Jahren einen Versuch mit Gitzi gemacht. Die Behandlung der trächtigen Ziegen brachte dem Gitzi nicht viel. Eine Selen- Vit-E-Gabe war am ersten Lebenstag der Gitzi am sinnvollsten, denn zu diesem Zeitpunkt war der Selenspiegel am tiefsten und, Irrtum vorbehalten, sprach ein Gabe am besten an. Selen-Vit-E wurden per Spritze oder oral in Form einer Paste verabreicht. Zwischen den beiden Methoden konnte kein nennenswerter Unterschied festgestellt werden. Fazit: Lämmer reagieren vermutlich gleich wie Gitzi. Lämmer konsequent am ersten Lebenstag ein Präparat verabreichen. Es kann gespritzt oder in Form einer Paste oral verabreicht werden.
Kosten: Ich selber verwende eine Paste, ca 1.- pro Lamm.

Vorbeugende Massnahme bei Polyarthritis
Bei gehäuftem Auftreten ist der Fehler oft bei mangelnder Hygiene und einer ungenügenden Fütterung (qualitativ schlechtes Kolostrum, zuwenig Milch) der Schafe zu suchen. Nabel bei Geburt desinfizieren kann helfen.

Behandlung Selenmangel
Bei Verdacht so schnell wie möglich Se-Vit E verabreichen. Achtung: Se ist schnell giftig, nicht zuviel geben.

Behandlung von Polyarthritis
Schwierig bis aussichtslos. Entweder Lamm erlösen oder Behandlung versuchen > Tierarzt so schnell wie möglich kontaktieren.

Gruss
Reto Fivian

al
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Beitrag von al » Sonntag 18. Februar 2007, 23:45

hallo
polyarthrtis wird auch lämmerlähme genannt. die lämmer erkranken meist vom ca 3 bis 14 lebenstag. vom leichten hinken bis zum tode vergehen etwa 2 tage. die lämmer morgens und abends kontrollieren. beim ersten anzeichen von hinken die lämmer gleich mit dem oder den entsprechenden antibiotika behandeln (vet.fragen). dann ist der heilungserfolg fast 100 %. liegen die lämmer schon flach, ist jede behandlung zwecklos.

grüsse al

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kschaub
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Beitrag von kschaub » Montag 19. Februar 2007, 13:14

Hallo

Wir geben zur Vorbeugung der Weissmuskelkrankheit (Vit. E /Selenmangel) auch stets vorbeugend eine Paste (Distrofin zu beziehen beim Tierarzt). Die Handhabung ist einfach und die Gefahr der Überdosierung, welchem beim Injizieren gewiss da ist, wird dadurch auch so gut wie ausgeschlossen.

Bei der Lämmerlähme... habe leider letztes Jahr ein Lamm daran verloren und dies trotz aller gegebenen Vorsicht (Nabeldesinfektion etc.). Selbst mit mehrmaliger Verabreichung von Antibiotika und Locatimserum konnte das Lamm nicht mehr gerettet werden :cry: ...

Wir haben - zum Glück - so gut wie keine Lämmerverluste :roll:

Tschüss
Karin

Schägg
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Selenmangel

Beitrag von Schägg » Sonntag 25. Februar 2007, 15:52

Hallo,
Ich habe seit kurzem Schafe und hatte vorgestern "meine" erste Geburt (Drillinge), welche nicht ganz einfach war. Gestern ist ein Lamm gestorben, warscheinlich auch wegen der schweren Geburt, aber vielleicht war auch Selenmangel mitschuldig. Ich war noch beim Tierarzt mit ihm, aber jede Hilfe kam zu spät. Der Tierarzt hat mir Distrofin (Paste) mitgegeben um die verbleibenden zwei zu behandeln, was ich auch sofort gemacht habe. Nun meine Frage: behandelt ihr nur 1 x mit 1g pro Tag oder macht ihr das 5 Tage nacheinander?
Danke für die Antwort.
Schägg

bougle
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Re: Plötzlicher Lämmertod

Beitrag von bougle » Montag 26. Februar 2007, 16:21

Dominik hat geschrieben: Bougle wollte ich noch fragen, ob er die Lämmer oder die Auen behandelt und zu welchem Zeitpunkt und wie oft.
da sieht man wieder mal, dass ich einige Zeit nicht im Forum war.

wir haben immer die Lämmer behandelt. einmalige Injektion subkutan.

In den letzten paar Jahren haben wir eigentlich nicht mehr behandelt. Aber muss dazusagen, dass wir am Anfang kaum Mineralstoff/Leckstein verwendet haben. Da sie jetzt aber fast immer Zugang haben, haben wir auch kaum mehr Probleme damit.
Also von den Symptomen her war es genau gleich. Nach ca. 1 Lebenswoche plötzlich immer schwächer.

Man muss es fFolgendermaßen sehen: Selengehalt im Gras > Heu > Mutterschaf > Muttermilch > Lamm.
Um es kurz zu beschreiben: in Selenmangelgebieten hat das Gras schon etwas zu wenig Selen. Dadurch ist im Heu weniger enthalten, wodurch das Mutterschaf wieder zu wenig aufnimmt. Da das Mutterschaf schon zu wenig hat, ist in der Milch, die von sich aus schon selenarm ist, noch weniger enthalten, und so hat dann das Lamm erst recht nichts mehr. Es kann also bei jeder der genannten Stufen "stecken" bleiben.
Das hat man bei uns auch gesehen, denn Lämmer, die auf der Weide auf die Welt kamen und auch dort geblieben sind und nciht eingestallt wurden, da hatten wir kaum Ausfälle, aber wenn sie im Stall gelammt haben - sprich, während der Winterfütterung - dann stiegen die Ausfälle sofort an. Daher haben wir die im Stall geborenen Lämmer innerhalb der ersten 2 Tage gespritzt.

Es kann natürlich auch andere Ursachen haben. Ferndiagnosen sind immer unsicher und nicht 100%ig aussagekräftig. Aber sicher ein erster Verdacht.

Wünsch dir viel Glück

Dominik
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Hallo zusammen

Beitrag von Dominik » Mittwoch 28. Februar 2007, 12:27

Ich danke euch für die interessanten und ausführlichen Antworten.
Wir spritzen den Lämmern nun gleich nach der Geburt Selen, welches wir vom Tierarzt erhalten haben. Mal sehen, ob es nun besser wird.

Ein Lamm, welches vom Tierarzt sowohl mit Selen als auch Antibiotika behandelt wurde, geht seit gestern wieder lahm. Es ist nun bereits ein Monat alt und geht auf drei Beinen und zieht das vierte (hinteres) nach. Der Nabel des Lammes ist gut verheilt. Der Tierarzt konnte uns auch nicht weiterhelfen. Er meinte auch, dass es sich entweder um Selenmangel oder Polyarthritis handelt.

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Beitrag von kschaub » Mittwoch 28. Februar 2007, 23:56

@ Dominik: wann wurde dem Lamm Antibiotika verabreicht? Auch wenn der Nabel gut verheilt ist kann es Lämmerlähme sein!!

@ Schägg: ich mache dies jeweils am ersten Lebenstag und dann unter normalen Umständen nicht mehr... wenn eines aber eher schwach ist, dann kann ich durchaus wiederholen.

Gemäss Packungsbeilage sollte man es wie folgt anwenden: Zur Therapie erfolgt die Applikation in 2-tägigen Abständen bis zur Besserung der Erkrankung. Die Prophylaxe ist in 7- bis 14-tägigen Abständen 2-3 mal zu wiederholen.

Ich habe seit der einmaligen Gabe von kein Lamm verloren an der Weissmuskelkrankheit :roll:

Tschüss
Karin

Reto Fivian
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Beitrag von Reto Fivian » Donnerstag 1. März 2007, 22:38

Hallo zusammen
Selen ist lebensnotwendig, aber schon bei einer geringen Überdosis toxisch. Deshalb müsst Ihr einfach die Anleitung befolgen. Es macht keinen Sinn, Dosierungsempfehlungen anzupreisen, wenn jeder ein anderes Produkt mit einer anderen Konzentration anwendet.
Gruss
Reto

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Beitrag von kschaub » Montag 5. März 2007, 16:08

Hallo
Reto Fivian hat geschrieben:Es macht keinen Sinn, Dosierungsempfehlungen anzupreisen, wenn jeder ein anderes Produkt mit einer anderen Konzentration anwendet.
Meine Angaben haben sich auf das Dystrofin bezogen, welches es nach meiner Kenntnis nur als Paste gibt und dies auch nicht in unterschiedlicher Konzentration. Allerdings war ich leicht irritiert, als ich eben nochmals nachschauen wollte, ob es Dystrofin allenfalls doch noch in anderer Form gibt, denn da kam der Hinweis " Dies ist ein Eintrag aus dem Archiv; dieses Tierarzneimittel ist in der Schweiz nicht mehr zugelassen!"

Gemäss Angaben da ist die Zulassung schon 2003 erloschen. Ich habe es aber mit Gewissheit noch letztes Jahr bekommen :roll:

Wie auch immer... natürlich ist eine Überdosierung sehr gefährlich und endet meist tödlich, Selen ist ein Halbmetall und zählt zu den Spurenelementen, damit sollte nicht leichtfertig umgegangen werden :roll:

Ich werde mich nun näher informieren, ob es Dystrofin noch im Handel gibt oder nicht...

Tschüss
Karin

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