Vermarktung von Engadinerlämmer

Themen, die speziell die Haltung und Züchtung von Engadinerschafen betreffen.

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Vermarktung von Engadinerlämmer

Beitragvon Deflorin Hugo » Di. 23. Nov, 2004

Da ich einige meiner WAS-Schafe durch Engadinerschafe ersetzten möchte würde es mich interessieren wie Engadinerlämmer vermarktet werden. Kann ich Sie ohne Probleme auf den öffentlichen Markt verkaufen oder wäre es besser Sie privat abzusetzten? Engadinerlämmer haben ja eine schlechtere Schlachtausbeute als WAS-Lämmer.

Gruss

Hugo Deflorin
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Re: Vermarktung von Engadinerlämmer

Beitragvon Christian » Mi. 24. Nov, 2004

Deflorin Hugo hat geschrieben:Da ich einige meiner WAS-Schafe durch Engadinerschafe ersetzten möchte würde es mich interessieren wie Engadinerlämmer vermarktet werden. Kann ich Sie ohne Probleme auf den öffentlichen Markt verkaufen oder wäre es besser Sie privat abzusetzten? Engadinerlämmer haben ja eine schlechtere Schlachtausbeute als WAS-Lämmer.

Gruss

Hugo Deflorin



Hallo,
Dies ist eine immer wieder heiss diskutierte Frage...
Grundsätzlich ist es die Strategie des SEZ, Engadinerlämmer als Spezialiltät zu verkaufen. Das Fleisch schmeckt nämlich anders (geringerer Fettanteil) und "schäfelet" auch deutlich weniger. Das kann Direktvermarktung bedeuten aber auch der Verkauf an Gastro-Betriebe oder Läden. Je grösser der Schafbestand ist, desto aufwendiger wird diese Direktvermarktung. D.h. es braucht Beziehungen, Werbeaktivitäten etc. Dies ist natürlich nicht jedermann's Sache. Der Zuchtverein stellt hierfür diverse PR-Materialien zur Verfügung (Fleischprospekte, Fleischkleber). Zudem soll in Zukunft in Konsumentenzeitungen vermehrt auf die Adressdatenbank für Direktvermarkter http://www.engadinerschaf.ch/fleisch/direktverkauf.php hingewiesen werden. Hierfür braucht es jedoch noch ein grösseres Angebot (mehr Züchter).
Die enstprechenden Aufwendungen für die Direktvermarktung werden natürlich mit einem höheren Preis entschädigt. Bei einem 45kg-Lamm ergibt dies netto ca. Fr. 300.- (bei einem Kg-Preis für küchenfertiges Mischpaket-Fleisch von Fr. 28.-, was immer noch 10% günstiger ist als bei Migros und Coop). Da muss jeder selbst entscheiden, ob die zusätzlichen Vermarktungsanstrengungen von diesem Mehrpreis entschädigt werden.

Wenn jemand nicht's mit der Vermarktung zu tun haben will, bleibt nur noch die öffentliche Annahme, wo man den Launen des Marktes ausgeliefert ist. Die Preise werden in Zukunft kaum besser. Wenn es zu einem WTO-Abschluss kommt, sieht es sogar sehr düster aus. Auch hier gibt es jedoch Optimierungsmöglichkeiten:
Tatsächlich haben Engadinerlämmer eine etwas schlechtere Ausbeute, doch sind mir diverse Züchter bekannt, die 80-90% der Tiere in T3-Qualität verkaufen können. Hierfür muss aber die Fütterung stimmen! Eine andere Möglichkeit bietet sich mit der Kreuzung, d.h. WAS-Widder und Engadiner-Auen: Hier werden sehr gute Schlachtausbeuten erreicht (Heterosis-Effekt), ohne dass die Tiere verfetten, die Fleischqualität ist ebenfalls gut.

Das Wichtigste ist jedoch nicht der Erlös pro Lamm, sondern der Erlös pro Aue und Jahr. D.h. durch die gute Fruchtbarkeit der Engadiner Auen können mehr kg Fleisch verkauft werden und dies auch zu Zeiten, wo der Preis etwas besser ist (Winter, Frühling, Sommer). Dies setzt jedoch voraus, dass der Widder immer oder mind. 9 Monate (bei Alpung kein Widder von Februar bis April) in der Herde ist.
Bei Reinzucht kann zudem ein Grossteil der weiblichen Tiere als Zuchttiere verkauft werden.

Also der langen Rede kurzer Sinn: Mit dem Ersatz von WAS-Schafen durch Engadinerschafe wird in der Herde die Fruchtbarkeit gesteigert. Die Fruchtbarkeit einer Aue trägt am meisten zum wirtschaftlichen Erfolg in der Schafhaltung bei (siehe Fachzeitung "Forum" vom September 2004). Das Einkommen pro Fläche wird besser, auch wenn bei Reinzucht grössere Preisabzüge mit einberechnet werden. Bei Gebrauchskreuzung hat man den "Fünfer und das Weggli", wobei man dann keine weibl. Zuchttiere verkaufen kann. Bei der Auswahl der Engadinerschafe sollen fruchtbare und widerstandsfähige Zuchtlinien mit guter Milchleistung bevorzugt werden.

Vielleicht gibt es noch andere Meinungen und Kommentare zu diesem Thema...?

Gruss Christian
Zuletzt geändert von Christian am Do. 16. Dez, 2004, insgesamt 1-mal geändert.
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