Schlechter Mutterinstinkt?

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Moderator: Reto Fivian

Schlechter Mutterinstinkt?

Beitragvon besch_da_pader » Mi. 16. Feb, 2005

Hallo liebe Engadinerschäfler

Ich möchte euch mal zuerst einige Beobachtungen aus den letzten 2 Wochen schildern welche vielleicht als Diskussionsgrundlage dienen könnten oder zu nützlichen Tipps führen könnten:

Zu den Fakten
Also zur Zeit herrscht bei uns im Stall Highnoon: innerhalb von zwei Wochen 13 neue Lämmer, 5 Zwillinge und 3 Einzellämmer. Die Lämmer sind, bis auf eines, alles Erstablammungen. Von den 13 Lämmern konnten wir ca. 8 Stück in den ersten Stunden keiner Mutter zuordnen, keine Mutter suchte nach ihren Lämmern und die Auen waren schon sauber. Wenn die Herde raus gelassen wurde blieben die neugeborenen Lämmer im Stall zurück. Von diesen 8 Lämmern wurden (nach erfolgreicher Ermittlung der Mutter) 3 Lämmer von den Müttern abgewiesen obwohl sie genug Milch hätten. Zwei Lämmer werden geschöppelt und das dritte Lamm wurde nach 1 Woche von der Mutter angenommen.
Weiter kommt noch dazu, dass die Lämmer kreuz und quer Milch bei den Müttern zusammenklauen, sowas habe ich noch nicht erlebt :shock: unglaublich, und somit kriegt halt der kräftigste am meisten ab. Langsam aber sicher gehen uns die Ställe aus um die Mütter mit ihren Lämmern zu separieren sodass sie nicht bei den andern die Milch klauen können.
Was mir auch noch weiter auffällt, die Muttertiere verteidigen ihre Lämmer überhaupt nicht oder nur einzelne und wenn die Herde raus geht ist es den Müttern egal wo die Lämmer sind (es gibt auch Ausnahmen :roll:)
In solchen Situationen gingen wir früher jeweils mit dem Hund an der Leine in den Stall und dies weckte wieder den Beschützerinstinkt bei den Schafen und kein Lamm ging mehr vergessen.

Nun meine Fragen:
Sind unsere Schafe zu verwöhnt, im Sinne von haben nur noch das Fressen im Kopf und vergessen ihre Lämmer? Oder sind das vor allem die erstablammenden Auen? (war aber bei den WAS nie so)

Haben die jungen Engadiner einen noch nicht so ausgeprägten Mutterinstinkt? Was sind da so eure Beobachtungen?
Hund nützt nichts, die haben nur ihr fressen im Sinn :wink:

Was sind denn so eure Erfahrungen? Habt ihr noch irgendwelche Vorschläge?

Gruss

Christian
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Mutterinstinkt

Beitragvon Christian » Mi. 16. Feb, 2005

Hallo Christian

Ich finde Deine Geschichte auch etwas seltsam, hoffe aber, dass ich doch eine plausible Erklärung gefunden habe. V.a. dass die Lämmer Milch von anderen Auen klauen und offenbar genug davon bekommen, habe ich noch nie gehört (in einer Pferdeherde mit Fohlen ist das ja schon eher normal, wobei man da nicht von "Klauen" reden kann - eher von einer gemeinsamen Milchbar :lol: ).

Ich habe es schön öfters erlebt (bei mir und bei anderen Züchtern), dass eine Aue bei einer Mehrlingsgeburt nach der Geburt des ersten Lammes den Standort verlässt, das erste Lamm zurücklässt und dann das zweite Lamm gebärt. V.a. in verwinkelten Ställen, etwas seltener auch auf der Weide vergisst die Aue das erste Lamm und kümmert sich nur noch um das Zweite. Die ersten 4 Stunden sind dann entscheidend! Findet in dieser Zeit kein Mutter-Lamm-Kontakt statt, ist es passiert. Die Aue nimmt das erste Lamm nicht mehr an. Ich habe schon alles probiert (Nasenspray, T-shirt dem Lamm anziehen, mit Hund bedrohen, Aue mit Gewalt festklammern etc. - weiss jemand noch einen anderen Tipp :?: ) - sie wollen das Lamm partout nicht annehmen und schupsen es (teils recht aggressiv) weg. So greife ich mittlerweile gleich sofort zur Schoppenflasche (wenn wir Zeit haben) oder überlasse es der Natur. Gerade deswegen kommt es mir auch so unglaublich vor, dass bei Euch andere Mütter fremde Lämmer saugen lassen. Auch der mangelnde Verteidungstrieb kann ich nicht bestätigen.

Ich glaube, dass Euer Problem viel damit zu tun hat, dass es sich praktisch ausschliesslich um Erstablammungen handelt und diese konzentriert in einem engen Zeitraum stattfanden. Diese Auen wissen oft noch gar nicht, was da abgeht. Da Engadinerschafe in der Regel sehr leicht gebären, werden die Geburten oft fast wie "nebenbei erledigt" - fressen und vor allem der Herdentrieb können bei den Erstlaktierenden noch dominant sein.
Deshalb ist es gerade für Erstlaktierende absolut notwendig, dass die Tiere vor oder direkt nach der Geburt in einer Ablammbucht (einzeln) für mindestens 2 Tage separiert werden, um den Mutterinstinkt zu festigen (habt Ihr das getan?). Auf der Weide werden sich die Tiere kurz vor der Geburt in der Regel selbst separieren. Im Stall haben sie diese Möglichkeit oft nicht (zu hohe Tierdichte), weswegen die Ablammbucht eine sehr sinnvolle Angelegenheit ist.

Kann sein, dass die Engadinerschafe im Vergleich zu den anderen Rassen noch unverdorben und nicht so aufgeklärt sind :wink: Nein im Ernst, die Engadiner lammen ja auch viel früher ab, sodass die Geschlechtsorgane vielleicht oft weiter entwickelt sind als der Instinkt.... :idea: - nur so eine Idee, weiss nicht, ob es mit dem Alter einen Zusammenhang gibt) Oder wie hoch ist bei Euch das durchschnittliche Erstablammalter dieser neuen Mütter? Ansonsten kann ich mir nicht vorstellen, dass dieses Problem etwas mit der Rasse zu tun hat.

Gruss Christian
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Beitragvon besch_da_pader » Mi. 16. Feb, 2005

Sali Christian

Ich habe gehofft dass ich von dir eine so ausführliche Antwort erhalte :wink:

Zuerst noch ein kleines Update: das Bedienen an der gemeinsamen Milchbar :roll: ging unterdessen soweit, dass das schwächste Lamm gar keine oder zuweing Milch erhielt und jetzt auch geschöppelt werden muss.
Selbstverständlich haben wir die Auen sofort, nachdem wir es bemerkt haben, nach dem Ablammen separiert um den Tieren etwas Ruhe zu gönnen und zu prägen. Die meisten Lämmer haben wir auch in der "Ablammecke" (leicht seitlich im Stall nach hinten versetzt und separat) ohne Mutter aufgefunden, da sie ja im Stall zurückgelassen wurden.
Ich habe eben auch das Gefühl, dass es die Erstlaktierenden nicht genau wissen was sie mit den Lämmern anstellen sollen.
Habe gerade mal kurz das durchschnittliche erste Ablammalter ausgerechnet: es liegt so zwischen 13 - 14 Monaten.
Auffällig ist schon, dass bei der Aue die schon mehrmals abgelammt hat, alles wunderbar klappt, sie verteidigt ihr Lamm mit Schnauben und Klopfen, sogar auch gegen mich und zeigt ein gutes Abwehrverhalten gegenüber fremden Lämmern (sie gehört nicht zur Milchbar :D ).

Ich gehe auch davon aus, dass es sich um ein Phänomen der Erstablammungen handelt.

Besten Dank soweit

Gruss Christian
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Beitragvon bougle » So. 20. Feb, 2005

hab ich auch noch nie erlebt, in den letzten 15 Jahren, in denen wir Schafe haben (Zuerst BFS, jetzt WAS). Hab daher auch keine Erfahrung.

Wir separieren die Tiere nicht daher, dass sie die Mütter nicht finden, sondern, damit die Lämmer im Stall nicht unter die Füsse kommen. Seit wir sie rausnehmen, haben wir wenig Verluste. Auf der weide: wir lassen sie nur draußen, wenn es sich um einzelne Lämmer handelt, so bald eine Aue 2 hat, nimmt man sie hein in den stall, da die Gefahr, dass die Lämmer umkommen recht hoch ist, v.a. kann man ihr gezielt etwas Kraftfutter zufüttern, was sie bei einem einzelnen Lamm weniger nötig hat. Das größte Problem bei Zwillingsgeburten bei uns ist, dass sie von den Raben getötet werden, solange sie noch nicht ganz gut auf den Beinen sind. Habe es erlebt, da hatten die Raben einem Lamm lebend den Unterkiefer abgepickt, bis es dann starb.

Wie schon von Christian geschrieben, hat es sich wahrschenlich schon mit der Erstablammung zu tun. Dass Lämmer bei anderen Müttern gesaugt haben, hab ich auch noch nie gesehen.
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Beitragvon Priska » So. 20. Feb, 2005

Hallo!

Wir haben hier auch ein Lamm, dass Milch von fremden Müttern stiehlt. Seine Mutter hatte Euterentzündung, als er noch ganz klein war, und obwohl wir sofort mit Schoppen zugefüttert haben, fand es der Kleine lässig, sich auch nebenbei noch zu bedienen. Er hat schnell gemerkt, wie man es am schlauesten anstellt: Von hinten....
Das funktioniert sehr zu meinem Erstaunen sogar, wenn die Aue ihr eigenes Lamm vor sich hat und sieht, dass es nicht trinkt :-) Eigentlich hätte ihr einem Schaf ein bisschen bessere mathematische Fähigkeiten zugetraut. Ein Lamm minus ein Lamm das man sieht = kein Lamm das saugen darf?!?

Bei uns werden die hochträchtigen auch abgetrennt, und erst ein bis zwei Wochen nach der Geburt wieder zu den andern dazu getan aber wir haben auch nur eine kleine Herde, und bisher haben die nie gleichzeitig gelammt, so dass immer genug Platz im Einzelzimmer ist....

Gruss
Priska
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Beitragvon besch_da_pader » Mo. 21. Feb, 2005

Hallo zusammen

Es geht im gleichen Stil weiter bei diesem Thema: am Freitag hat wieder eine Aue (Erstablammung) Zwillinge zur Welt gebracht, ein kräftiges Widderli und ein kleines, eher schwaches Äuli. Beide Lämmer haben wir wieder zurückgelassen im Stall gefunden, haben aber ziemlich bald herausgefunden wem die Lämmer gehören. Aber beide Lämmer hat sie nicht säugen lassen, obwohl alles in Ordnung ist mit dem Euter. Wenn man versuchte die Mutter zu fixieren, damit die Lämmer säugen können, stieg die beinahe die Wände hoch :roll:, also so ein wildes Verhalten habe ich noch selten erlebt, obwohl sie sonst eine relativ ruhiges Tier ist.
Diese Mütter sind total überfordert, sie haben keine Ahnung was sie mit ihren Lämmern anstellen müssen, unglaublich. Unterdessen sind beide Lämmer gestorben, dem kleinen schwachen Lamm gab ich von Anfang an keine grosse Chance, obwohl sofort zum Kollostrum noch dazu geschöppelt wurde und das zweite Lamm hatte einen ganz seltsamen Defekt, irgendwelche ZNS Störungen und Ausfälle in der Koordination und der Verdauung.... vielleicht bemerkte das die Mutter und nahm deshalb die Lämmer nicht an.
Nun haben wir eine neue Aue für die Milchbar.......
Und das bedienen an der Milchbar geht munter weiter, es sind nicht nur einzelne Lämmer. Wie Priska es beschrieben hat, am liebsten von hinten, sie passen den richtigen Moment ab wenn sie zum Beispiel am fressen sind, und bedienen sich so an der Milchbar.
Wir separieren die Tiere nicht daher, dass sie die Mütter nicht finden, sondern, damit die Lämmer im Stall nicht unter die Füsse kommen.

Aus diesem Grund separieren wir die Tiere eigentlich auch, aber es spielt zur Zeit wirklich keine Rolle mehr....

äch, irgendwie vergeht mir langsam die Lust auf die Engadinerschafzucht, vor allem wenn ich weiss, dass in den nächsten 2 Wochen nochmals 5 Erstablammungen anstehen...

naja, hoffen wir, dass die es besser machen werden...

gruss
Christian
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Euter kontrollieren

Beitragvon Christian » Mo. 21. Feb, 2005

Hallo Christian

Hört sich nicht gerade gut an :( Scheint aber wirklich eine spezielle Situation zu sein und gehört sicher nicht gerade zu den ruhigsten Momenten eines Schafhalters, wenn innerhalb weniger Wochen gleich rund 14 Schafe zum ersten Mal ablammen. Mich erstaunt, dass alle so auf einmal ablammen, wenn Ihr den Widder doch immer dabei habt, oder?
An Deiner Stelle würde ich nun folgende Massnahmen treffen: Ideal wäre, wenn ihr die bald ablammenden Auen abtrennen könnt. Dann würde ich jeden Abend die Euter kontrollieren. Sobald ein Euter etwas fest oder prall ist (etwas Erfahrungssache), würde ich die entsprechende Aue (evtl. 2) in eine kleine Bucht separieren (ca. 2x2m) - (habt Ihr noch genügend Abtrenngitter? :roll: ) und einfach warten. Tagsüber würde ich ausserhalb der Fütterungszeiten sicher 2 mal kontrollieren. Die regelmässige Kontrolle ist zwar aufwendig, wird sich aber lohnen! Ihr könnt Euch insofern trösten, dass sich diese Vorkommnisse wohl nicht mehr wiederholen werden - glaube ich wenigstens. Die Auen werden nicht nur älter, sondern das nächste Mal wahrscheinlich auch auf der Weide ablammen, wo sie sich besser separieren können. Die Ablammungen dürften auch weniger konzentriert erfolgen, da sich die Leerzeit (Zeit bis zur nächsten Trächtigkeit)bei Ganzjahresablammung individuell wohl etwas verschieben wird. Stattdessen könnt Ihr natürlich auch auf der Weide Lämmer verlieren (z.B. auch durch Fuchs), deshalb würde ich Zwillinge nach der Geburt sicher für 2-3 Tage in den Stall nehmen. Das nächste Mal, wenn sie wieder im Stall ablammen, sollten sie ihre Mutter-Identitätsstörung wohl überwunden haben - hoffentlich.

Gruss Christian
Zuletzt geändert von Christian am Mo. 21. Feb, 2005, insgesamt 3-mal geändert.
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Beitragvon bougle » Mo. 21. Feb, 2005

die Auen, die noch ablammen sollten, würde ich in dem Fall auch schon jetzt separieren, am besten, irgendwie zu zweit oder so (wenn möglich). Habe sonst eigentlich auch so viel wie immer gute Muttereigenschaften erlebt. Manchmal sogar, dass eine Aue, die zum 1. mal gelammt hat, sogar auf Menschen los gegangen ist, die jeden Tag bei den Schafen ist. Ist ja normalerweise ein Instinkt und nciht ein erlerntes Verhalten.
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Beitragvon Gast » Mo. 21. Feb, 2005

Habe vor 3 Jahren dasselbe wie besch da pader erlebt, wo am Anfang der Ablammzeit mehrere Auen die Neugeborenen schlecht angenommen haben. Mit Abtrennung der Tiere VOR der ABlammung geht es wunderbar. Oder wenn die meteo das erlaubt lasse ich sie tagsüber auf der Weide ablammen, habe Herdenschutzhunde, kein Problem mit Füchse usw.....
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Herdenschutzhunde

Beitragvon Silvan » Sa. 26. Feb, 2005

Anonymous hat geschrieben:Oder wenn die meteo das erlaubt lasse ich sie tagsüber auf der Weide ablammen, habe Herdenschutzhunde, kein Problem mit Füchse usw.....


hallo Gast

Mich würde das Thema Herdenschutzhunde mehr interessieren. Habe hierzu mehrere Fragen im Forum "Stall- und Weidehaltung"

Danke und Gruss
Silvan
 
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Mutterinstinkt bei Engadinerschafen

Beitragvon Christoph Steiner » So. 27. Mär, 2005

Wir halten ca. 300 Mutterschafe verschiedenster Rassen (WAS,SBS,BFS,CHS,DOP,Coburger,Engadiner)und derer Kreuzungen.Alle Mütter kommen unmittelbar nach dem Ablammen in eine Box.Da kann es schon vorkommen dass über Nacht 5-10 Auen lammen.Ich hatte eigentlich nie grössere Propleme mit dem Mutterinstinkt der Auen.Bis ich vor 2 Jahren 10 Engadinerauen kaufte,alles Erstlammende.Fruchtbarkeit wirklich top,eigentlich des guten zuviel zwillinge,3 mal drillinge und das mit ca.14 mte. Aber alle hatten mittleren bis sehr schlechten Mutterinstinkt.Mittlerweile haben sie das 2te und 3te mal abgelammt es ist um einiges besser aber niemals so wie bei den anderen,z.b wenn ich das oder die Lämmer halte um sie mit der Mutter in die Ablammbox hab ich die grösste Mühe dass die Mutter hinterher läuft.Ich dachte es ist vielleicht vererblicht,aber scheinbar haben andere auch Propleme.
Christoph Steiner
 

Re: Mutterinstinkt bei Engadinerschafen

Beitragvon besch_da_pader » Di. 29. Mär, 2005

Christoph Steiner hat geschrieben:Fruchtbarkeit wirklich top,eigentlich des guten zuviel zwillinge,3 mal drillinge und das mit ca.14 mte. Aber alle hatten mittleren bis sehr schlechten Mutterinstinkt.Mittlerweile haben sie das 2te und 3te mal abgelammt es ist um einiges besser aber niemals so wie bei den anderen


Genau so sehe ich das unterdessen auch. Was nützt mir eine hohe Fruchtbarkeit wenn bis zu 30 % der Lämmer nicht oder nur schlecht angenommen werden? Sie werden zu Schoppen Lämmer und zu Kümmerer. Ich zähl unsere Kümmerer schon gar nicht mehr :roll:
Gestern Mittag hat es bei einer Aue wieder Drillinge gegeben (auf der Weide) und prompt wieder eines nicht angenommen und ein anderes sehr klein und eher schwach. Wir hatten die grösste Mühe die Mutter überhaupt einzufangen, sie folgte ihren Lämmern nicht in den Stall, obwohl wir ihr mehrere Stunden Ruhe zur Prägung gelassen haben.
Dann lieber Einlingsgeburten oder nur höchstens Zwillinge aber dafür kräftige Lämmer welche auch gut angenommen werden.
Wir werden nun in Zukunft auf einen anderen Widder (nicht Engadiner) umstellen...

Gruss

Christian
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Re: Mutterinstinkt bei Engadinerschafen

Beitragvon Christian » Di. 29. Mär, 2005

Hallo zusammen

Na ja, die Sache ist natürlich sehr ärgerlich und es ist naheliegend, zuerst mal bei der Rasse den Sündenbock zu suchen. Habe aus dem renommierten "Handbuch Schafhaltung" von Dr. Schlolaut/Prof. Wachendörfer jedoch noch eine Stelle gefunden, die dieses Problem ganz allgemein in der Schafhaltung erwähnt (s. 130), es heisst da:

"Begünstigt wird die Entfremdung von Mutterschaf und Lamm auch durch die gemeinsame Haltung von lammenden Mutterschafen und solchen, deren Lämmer abgesetzt wurden oder eingegangen sind. Letztere nehmen sich aufgrund des noch vorhandenen Mutterinstinkts dann der fremden Lämmer an. Das Gleiche geschieht nicht selten bei gemeinsamer Haltung gleichzeitig ablammender Mutterschafe. Die fehlende Übereinstimmung der Angaben im Abstammungsnachweis und des Blutgruppentests findet darin häufig eine Erklärung."

Neben der Ablammbucht wird auch die Nachtbeleuchtung als Massnahme angegeben.
Ich möchte da nicht schönreden und kann auch nicht abstreiten, dass der Mutterinstinkt bei anderen Rassen im Durchschnitt vielleicht tatsächlich besser ist. Diese hatten ja auch viel länger Zeit, die schlechten Mütter auszumerzen, während die wieder neu aufgebaute Engadinerschafpopulation erst gut 15 Jahre alt ist und erst seit gut 5 Jahren auf erwünschte Leistungsmerkmale (u.a. Muttereigenschaften) selektiert werden kann.
Insgesamt muss man aber immer die ganzen Umstände berücksichtigen und Gleiches mit Gleichem vergleichen (d.h. 10 erstablammende WAS-Schafe, die im gleichen Alter belegt werden, zukaufen und schauen was passiert - falls diese überhaupt schon mit 14 Monaten ablammen...).

Gleich so verhält es sich mit den Drillingen und Vierlingen. In früheren
Zeiten sind diese (eigentlich unerwünschten, da aufwendigen)
Mehrlingsgeburten weit häufiger vorgekommen. Das nützt tatsächlich nichts,
wenn ein Teil der Lämmer früher oder später eingeht oder nur mit dem
Schoppen überleben. Das Zuchtziel setzt klar auf Zwillingsgeburten mit einer
kurzen Zwischenlammzeit. Drillinge / Vierlinge und Lämmer von schlechten Muttertieren sollten besser nicht mehr für die Zucht aufgezogen werden.

Gruss Christian
Zuletzt geändert von Christian am Mi. 07. Sep, 2005, insgesamt 4-mal geändert.
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Beitragvon Ingrid » Mi. 30. Mär, 2005

Ich bin sehr erstaunt darüber, dass offensichtlich so schlechte Erfahrungen mit dem Mutterinstinkt der Engadinerschafe gemacht werden. Ich habe zwar nur eine kleine Herde, kenne das aber überhaupt nicht. So hatte ich z.B. eine Aue, die drei Tage nach ihrem tot geborenen Lamm gerufen hat. Lämmer tragen, damit die Herde folgt, funktioniert immer. Ich habe auch schon erlebt, dass die Mutter ihre letztjährige Tochter zum Stall begleitet hat, weil diese dort lammen wollte, während der Rest der Herde auf der Weide blieb. Probleme mit dem Mutterinstinkt habe ich immer nur bei meinem Nachbarn gesehen, der deshalb auf Engadiner gewechselt hat.
Könnte zu viel Unruhe vielleicht ein Grund sein?
Noch etwas, Christian, darf ich dich darauf aufmerksam machen, dass du das Problem mit dem Mutterinstinkt auf keinen Fall mit einem fremdrassigen Widder lösen kannst.
Gruss Ingrid
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Beitragvon besch_da_pader » Mi. 30. Mär, 2005

Noch etwas, Christian, darf ich dich darauf aufmerksam machen, dass du das Problem mit dem Mutterinstinkt auf keinen Fall mit einem fremdrassigen Widder lösen kannst.

Sali Ingrid
Ja selbstverständlich kann man das mit einem fremdrassigen Widder nicht lösen. Ich habe mich vielleicht etwas falsch ausgedrückt. Uns wäre es lieber wenn die Anzahl der Mehrlingsgeburten etwas zurückginge (was natürlich auch nicht nur am Widder liegt) und/oder die Lämmer etwas mehr Fleisch ansetzen.

Des weiteren kann ich voll und ganz Christian zustimmen. Man muss immer die ganzen Umstände berücksichtigen und Gleiches mit Gleichem vergelichen. Wir vergleichen natürlich immer mit unserer früheren WAS Herde. Wir haben damals nie was anderes gemacht, ausser dass wir unsere Engadiner mit viel mehr Liebe ;) betreuen. Aber solche Probleme sind halt früher nie aufgetreten.
Aber dieser Vergleich ist eben auch mit vorsicht zu geniessen. Die WAS Herde war von April bis Oktober auf dem Riet und der Alp, d.h. ein halbes Jahr nicht unter intensivster Beobachtung. So kriegt man natürlich nicht mit was in der Herde los ist. Aber ich hofffe, dass es jetzt in der Weide- und Alp Saison wieder besser wird.

Ich habe übrigens auch noch was interessantes im "Lehrbuch der Schafkrankheiten" von Martin Ganter (ist unter anderem ein Lehrmittel der vet. medizinischen Fakultät Zürich) gefunden:

Abstossen der neugeborenen Lämmer (Widersetzlichkeit der Mütter):
klinisches Bild:
Die Bindung zwischen Lamm und Mutter beruht hauptsächlich auf dem Geruch, den das Lamm durch das ablecken der Mutter nach der Geburt annimmt. Durch mangelhaft entwickeltes Verhalten der Mutterschafe bei der Geburt unterbleibt das Ablecken ganz oder teilweise. Diese Verhaltensstörung ist besonders häufig bei erstmalig lammenden Mutterschafen anzutreffen. Das Ablecken der neugeborenen Lämmer kann weiterhin dadurch verhindert werden, dass bei gemeinsamer Haltung einer grossen Zahl hochtragender, zur Lammung anstehender Schafe auf engem Raum das Mutterschaf den Kontakt zum eigenen Lamm verliert. Diese Gefahr ist besonders gross bei Mehrlingsgeburten da sich Mutterschaf mit Mehrlingen oftmals nur um das zuerst oder zuletzt geborene Lamm kümmern.
Therapie:
Festhalten des Mutterschafes, am ersten Tag wenigstens 8mal :roll: , am zweiten wenigstens 6mal (haben wir auch gemacht, bei einer Aue hat es nach 1 Woche geklappt), möglichst in Anwesenheit eines Hundes. evtl Injektion eines Neuroleptikums (Tranquilizer). Beim Abstossen einzelner Lämmer aus Mehrlinsggeburten werden sämtliche Lämmer ausserhalb der Sicht- und Hörweite des Mutterschafes für etwa 2h in einer Kiste oder einem Korb möglichst eng gehalten und anschliessend gleichzeitig an das Mutterschaf gesetzt.
Prophylaxe:
Beleuchtung des Stalles zur Lammzeit in der Nacht
Bildung kleiner Gruppen aus den zur Geburt anstehenden Mütter
Ablammung in Einzelbuchten
Schafe mit fehlenden Muttereigenschaften sind von der Zucht auszuschliessen.



LG

Christian
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